19.06.26 Care matters: Kunst, Fürsorge und Perspektiven

Die inspirierende exklusive Ausstellungsführung regte zu viel Reflexion und Diskussion an.

18 Frauen, Mitglieder des Wiener Chapters und von ihnen persönlich eingeladene Gäste, nahmen in der Albertina an einer exklusiven Führung teil, die Christine Kranz organisiert hatte. Care Matters: Kunst, Fürsorge und neue Perspektiven hielt, was der Titel versprach. Durch die künstlerische Auseinandersetzung wurden wesentliche Dimensionen von Care, Carearbeit, ihrer Aufteilung und Auswirkungen davon sichtbar und t.w. auch spürbar. Clara Simak, die die Führung sehr engagiert leitete, erwies sich dabei als Glücksgriff – da gleichermaßen kundig in Kunstgeschichte wie in genderpolitischen Fakten und Fragestellungen. Der bereichernde Abend war einmal mehr ein gelungenes Beispiel, wie gemeinsame EWMD Wien-Aktivitäten persönlichen Austausch jenseits der Job Role vertiefen und zur Reflexion anregen. Zusätzlich zum Austausch über Job- und Karrierethemen, die das Branchen übergreifende Netzwerk seinen Mitgliedern auch regelmäßig anbietet.

Die Ausstellung unterteilt kapitelweise in 5 Räumen zentrale Lebenswelten von Frauen anhand der Auseinandersetzung österreichischer und internationaler Künstlerinnen damit:

So widmet sich ein Raum redundanten Haushaltstätigkeiten, die weit überwiegend von Frauen erledigt werden. Und – erstaunlicherweise [?]– trotz allen technisch-maschinellen Fortschritts – bis heute noch immer nicht die Geräte allein verrichten. Ein anderer Raum griff die Auslagerung der Hausarbeit auf: An – wiederum weibliche – Angestellte – insbesondere solche aus unterdrückten Ethnien und sozialen Lagen. Diese Arbeiten zeigten pointiert auf, wie dadurch das Macht- und Statusgefälle zwischen Mann und Frau auch innerhalb der Gruppe der Frauen – reproduziert und verfestigt wird. Und wie mit der Auslagerung „alte“, koloniale Machtverhältnisse tradiert werden, wo sie politisch längst überwunden scheinen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet Mutterschaft. Diese wird – gerade von einigen besonders bekannten und erfolgreichen Künstler:innen – als per se unvereinbar mit Kunst abgelehnt. Zum einen wegen des schieren Ausmaßes an Fürsorge und Widmung, die sie Frauen abverlangt, als auch wegen der damit verbundenen Erwartungen: Gesellschaftliche, eigene – und die des Partners. Einige Künstlerinnen in der Ausstellung nahmen ihr Scheitern an Rollenerwartungen an sie als Mutter, am „Funktionieren“ als Mutter zum Ausgangspunkt für ihre Werke.

Malgorzata Markiewicz überzeichnete schon 2003 die von ihr „enttäuschten“ Erwartungen ihres Partners und Kindesvaters, indem sie sich – von ihm frisch verlassen – in typischen Situationen der Haus- und Carearbeit inszenierte: Kochend, putzend, stillend – dabei jedoch makellos gestyled, sexy und verführerisch. Die Diskussion, ob sich daran bis heute nur nichts geändert hat oder Frauen – schlimmer noch – diesen Hyper-Spagat als zu erfüllendes Rollenbild mittlerweile für sich verinnerlicht haben – siehe Mummy-Influencerinnen auf Instagram – war nur eine von vielen, die im Anschluss vertieft wurden.

Im Café Museum tauschten die Wiener EWMD-Mitglieder und ihre Gäste direkt danach in einer vertrauensvollen persönlichen Runde darüber aus, was die Ausstellung in ihnen berührt und gedanklich ausgelöst hatte. Biographische Assoziationen, Betroffenheit, Fragen – doch genauso Bestätigung für eigene, getroffene Entscheidungen.

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