03.2026 Gender Pay-Gap adé?

EU-Entgelttransparenz als Chance für faire Gehaltssysteme

Beim hybriden Clubabend von EWMD Salzburg stand ein Thema im Fokus, das Unternehmen in ganz Europa in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen wird: die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Unter dem Titel „Pay Gap adé? – Wenn EU-Recht auf Gehaltssysteme von gestern trifft“ gab Fair-Pay-Experte Stefan Waschmann einen fundierten Überblick über Hintergründe, Inhalte und praktische Auswirkungen der Richtlinie.

Seit über 70 Jahren gilt der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“. Dennoch besteht auch in Österreich weiterhin ein deutlicher Gender Pay Gap. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie setzt genau hier an: Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, neue Regelungen einzuführen, die mehr Transparenz in Gehaltssysteme bringen und strukturelle Diskriminierung abbauen sollen.

Waschmann erläuterte zunächst die Ursachen der Lohnlücke: Häufig seien es historisch gewachsene Vergütungssysteme, in denen Tätigkeiten unterschiedlich bewertet werden – oft zum Nachteil von Berufen und Funktionen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, bzw. eine Überbewertung von körperlicher Kraft. Ein zentraler Ansatzpunkt der Richtlinie ist daher die Bewertung „gleichwertiger Arbeit“ anhand nachvollziehbarer Kriterien.

Der Referent zeigte auf, welche neuen Pflichten auf Unternehmen zukommen: etwa Auskunftsrechte für Beschäftigte, erweiterte Berichtspflichten und die Notwendigkeit transparenter, kriterienbasierter Entgeltsysteme. Die Richtlinie erzeuge nicht nur regulatorischen Druck, sondern eröffne auch Chancen. Klar strukturierte und faire Gehaltssysteme können die Arbeitgeberattraktivität erhöhen, Vertrauen schaffen und langfristig zu mehr Gleichstellung beitragen.

Als Berater für diskriminierungsfreie Entgeltsysteme beschäftigt sich Waschmann seit Jahren mit den strukturellen Ursachen des Gender Pay Gaps. Er unterstützt Organisationen dabei, transparente und EU-konforme Vergütungssysteme zu entwickeln und verbindet dabei arbeitsrechtliche Expertise mit modernen Methoden der Stellenbewertung. Zudem ist er Autor des Fachbuchs Fair Pay, das Unternehmen Orientierung bei der Gestaltung gerechter Gehaltsstrukturen bietet: https://lohntransparenz.eu/

Der Clubabend machte deutlich: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird die Art und Weise, wie Unternehmen über Gehalt sprechen und es strukturieren, nachhaltig verändern – und könnte damit ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Lohngerechtigkeit und  Verringerung des Gender Pay Gap sein.

 

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