08.07.25 Zigarre, Charme und Geschick – Mit Frauenpower durch die Geschichte Wiens

Was für ein Abend! Bei unserer Führung mit dem fabelhaften Guide Ben wurde klar: Wien ist nicht nur Stadt der Musik und Monarchie, sondern auch Bühne für starke, kluge und oft viel zu wenig gewürdigte Frauen.

Wir begegneten etwa Eugenie Schwarzwald, einer mutigen Direktorin, die eine Mädchenschule gründete, als das noch revolutionär war. Jüdischer Herkunft, visionär in ihrer Pädagogik, gefördert von Größen wie Oskar Kokoschka – und dennoch gezwungen, vor den Nazis zu fliehen.

Am Stephansdom ging’s hochherrschaftlich weiter: Katharina von Habsburg, Tochter des römisch-deutschen Kaisers, machte ihren Gatten kurzerhand zum Erzherzog von Österreich – lange vor den Reformen von Rudolf dem Stifter. Ihre letzte Ruhe fand sie, fast heimlich still, in Wien.

Nur ein paar Schritte weiter liegt die Kapuzinergruft, gegründet von Anna von Tirol, der ersten „First Lady“ des Hauses Habsburg, die dort 1618 das ewige Zuhause für die Dynastie einrichtete. Zuletzt wurde Yolande von Habsburg beigesetzt – Nummer 149!

Von Macht zu Mehlspeis: Anna Sacher, die legendäre Dame mit der Zigarre, baute das Hotel Sacher nach dem Tod ihres Mannes zum gesellschaftlichen Hotspot aus. Ihre Ideen waren mutig – von getrennten Separees bis zur Duldung von Liebesbeziehungen unter dem Personal. Und dabei immer: kein Skandal ohne Stil.

Kulturell ging’s weiter mit der Salonière Sophie von Todesco, die Künstler, Politiker und Wissenschaftler an einen Tisch brachte – ein Netzwerk avant la lettre.

Und auch die Männer bekamen hier (nicht ganz uneigennützig) ihren Platz: Henriette Strauss, Ehefrau von Johann Strauss Sohn, war nicht nur Sängerin, sondern auch seine Managerin. Win-Win – damals wie heute.

Zum Schluss noch ein Blick aufs Maria-Theresia-Denkmal: Keine Krone, sondern ein Diadem ziert ihr Haupt. Denn der Titel “Kaiser” war ihrem Mann vorbehalten – aber faktisch war Maria Theresia die mit dem Zepter in der Hand.

Fazit: Wien atmet Geschichte – und hinter vielen Fassaden verstecken sich Frauen mit Format.

Trotz (für Juli!) überraschend kühlem, windigem und regnerischem Wetter hielten wir tapfer durch – und belohnten uns mit einem gemütlichen Ausklang im Café Leopold.

Danke an Ben für die unterhaltsame und kenntnisreiche Tour – und an euch für’s Dabeisein!

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